Skript · SBF Binnen
Sportbootführerschein Binnen
Dreihundert Fragen umfasst der amtliche Katalog. Dieses Skript erklärt den Stoff dahinter — und zeigt, wo die Fragen einer Systematik folgen, die man verstehen statt auswendig lernen kann.
Kapitel 1 · 30 Fragen
Recht, Papiere und Verantwortung
Die rechtlichen Grundlagen regeln Verantwortung, Fahrtauglichkeit und Verhalten auf dem Wasser. Unterscheide die Fahrzeugkategorien von den Voraussetzungen für den Führerschein.
Die Zwanzig-Meter-Grenze
Ein Sportboot gilt auf den Binnenschifffahrtsstraßen als Kleinfahrzeug, wenn es weniger als 20 m lang ist. Ab 20 m ist es keines mehr.
Dieselbe Zahl begrenzt den Führerschein: Der Sportbootführerschein mit dem Geltungsbereich Binnenschifffahrtsstraßen berechtigt zum Führen bis zu einer Länge von weniger als 20 m — ohne Ruder und Bugspriet. Der Zusatz ist keine Spitzfindigkeit: An einem Boot mit langem Bugspriet entscheidet er darüber, ob du es führen darfst.
Auf dem Rhein gilt eine Sonderregel: Bis 25 m Länge berechtigt dort das Sportpatent.
Die Leistungsgrenze: 11,03 kW
Neben den zwanzig Metern gibt es eine zweite Zahl, an der alles hängt: 11,03 kW (15 PS) Nutzleistung beim Verbrennungsmotor, 7,5 kW beim Elektromotor in Betriebsart S1 (Dauerbetrieb).
- Darüber ist der Sportbootführerschein Binnen vorgeschrieben — für Boote unter 20 m Länge.
- Bis einschließlich dieser Grenzen genügt ein Mindestalter von 16 Jahren neben Tauglichkeit und Eignung.
- Ein Sportboot mit Elektromotor darf ohne Fahrerlaubnis geführt werden, wenn die Antriebsleistung höchstens 7,5 kW S1 beträgt.
Auf dem Rhein braucht es oberhalb dieser Grenze den Sportbootführerschein Binnen für Sportboote mit Antriebsmaschine oder ein gleichgestelltes Befähigungszeugnis. Für Boote von 20 bis 25 m außerhalb des Rheins: Sportschifferzeugnis oder Sportpatent.
Das Ruder überlassen darfst du einer Person, die mindestens 16 Jahre alt sowie körperlich, geistig und fachlich geeignet ist.
Wer führt, und wann nicht
Steht vor Antritt der Fahrt nicht fest, wer Schiffsführer ist, muss der verantwortliche Schiffsführer bestimmt werden. Nicht gewählt, nicht ausgelost — bestimmt. An Bord gibt es genau einen Verantwortlichen.
Weder führen noch Kurs oder Geschwindigkeit selbstständig bestimmen darf, wer infolge körperlicher oder geistiger Mängel oder infolge Alkohols oder anderer berauschender Mittel in der sicheren Führung behindert ist — oder wer 0,5 ‰ oder mehr Blutalkohol hat.
Der Rudergänger muss zur sicheren Steuerung in der Lage sein: alle Informationen und Weisungen empfangen und geben, alle Schallzeichen wahrnehmen und nach allen Seiten genügend freie Sicht haben. Wer nichts hört und nichts sieht, steuert nicht.
Wo der Schein gilt und wann er weg ist
Der Sportbootführerschein Binnen gilt auf den Bundeswasserstraßen im Binnenbereich. Entzogen werden muss er bei fehlender Tauglichkeit oder fehlender Zuverlässigkeit — zwei Gründe, mehr nicht.
Außerhalb der Bundeswasserstraßen — auf Landeswasserstraßen, kommunalen und privaten Gewässern — ist gegebenenfalls die Genehmigung des Eigentümers einzuholen und die jeweilige Befahrensordnung zu beachten. Ein Bundesschein öffnet keinen Privatsee.
Für die Teilnahme am Binnenschifffahrtsfunk braucht es ein eigenes Zeugnis: das UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (UBI).
Kennzeichen und Register
Es gibt zwei Arten der Kennzeichnung: amtliche und amtlich anerkannte Kennzeichen. Die amtlich anerkannten bestehen aus der Nummer des Internationalen Bootsscheins, gefolgt vom Kennbuchstaben der ausstellenden Organisation.
In das Binnenschiffsregister muss ein Wassersportfahrzeug ab 10 Kubikmetern Wasserverdrängung eingetragen werden.
Wo Auskünfte stehen
Drei Fragen zielen darauf, ob du weißt, wo man nachschlägt — und die Antworten überschneiden sich:
- Verkehrsbeschränkungen und aktuelle Informationen: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, www.elwis.de, Wasserschutzpolizei.
- Höchstgeschwindigkeiten: Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, Wasserschutzpolizei.
- Binnenschifffahrtsstraßen und ihre Grenzen: Teil II der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung.
Merken lässt sich das als eine Regel: Alles Aktuelle steht bei ELWIS und der Verwaltung, alles Festgelegte in der Ordnung — und die Grenzen speziell in Teil II.
Welche Ordnung wo gilt
Vier Regelwerke, vier Geltungsbereiche — die Prüfung fragt sie paarweise ab:
- Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung und Rheinschifffahrtspolizeiverordnung — allgemeine Verkehrsregeln für Binnenschifffahrtsstraßen und den Rhein.
- Moselschifffahrtspolizeiverordnung und Donauschifffahrtspolizeiverordnung — für Mosel und Donau.
- Wassermotorräderverordnung und Wasserskiverordnung — für Wassermotorräder und Wasserskilaufen.
Für Wassermotorräder gilt außerhalb der ausgewiesenen Strecken eine Einschränkung: Sie sind dort nur bei Touren- und Wanderfahrten mit klarem Geradeauskurs zulässig — kein Kurvenfahren, kein Springen.
Zuständig für amtliche Kennzeichen ist jedes Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt; für amtlich anerkannte der Deutsche Motoryachtverband, der Deutsche Segler-Verband und der ADAC.
Kapitel 2 · 30 Fragen
Fahrwasser, Tonnen und Wasserstand
Fünf Fragen wollen wissen, an welcher Schiffsseite du eine Tonne passierst. Sie sehen aus wie fünf Aufgaben und sind eine einzige — sobald du weißt, woher „rechts“ und „links“ auf einem Fluss ihren Namen haben.
Fahrwasser ist nicht Fahrrinne
Die beiden Begriffe werden im Alltag verwechselt und in der Prüfung einzeln abgefragt.
Das Fahrwasser ist der Teil der Wasserstraße, der den örtlichen Umständen nach vom durchgehenden Schiffsverkehr benutzt wird. Es ist also eine Beschreibung dessen, was tatsächlich passiert.
Die Fahrrinne ist der Teil, in dem für den durchgehenden Schiffsverkehr bestimmte Breiten und Tiefen vorgehalten oder angestrebt werden. „Angestrebt“ ist keine Garantie für die aktuelle Tiefe; Wasserstand und nautische Informationen bleiben zu beachten.
Woher rechts und links kommen — und warum das alles erklärt
Bei Flüssen werden die Uferseiten von der Quelle bis zur Mündung bezeichnet. Das ist die eine Festlegung, aus der alles Weitere folgt. Sie hängt am Fluss, nicht an dir: Das rechte Ufer bleibt das rechte, egal in welche Richtung du fährst.
Die Tonnen folgen dieser Festlegung:
- Rechte Fahrrinnenseite — rote Stumpftonnen oder Schwimmstangen.
- Linke Fahrrinnenseite — grüne Spitztonnen oder Schwimmstangen.
Und jetzt die Regel, die fünf Prüfungsfragen auf einmal beantwortet: Zu Tal fährst du in Benennungsrichtung — rechts ist an Steuerbord. Zu Berg fährst du dagegen — rechts ist an Backbord.
Prüf es an den Fragen nach: Talfahrt, rote Tonne voraus → rechte Seite, an Steuerbord passieren. Bergfahrt, rote Tonne → rechte Seite, an Backbord. Bergfahrt, grüne Tonne → linke Seite, an Steuerbord. Dreimal dieselbe Überlegung.
Die beiden Fahrtrichtungen heißen entsprechend: zu Berg ist auf Flüssen die Fahrt in Richtung Quelle, zu Tal die Fahrt zur Mündung. Auf Kanälen gibt es keine Strömung, die das entscheiden könnte — dort ist festgelegt, was als Bergfahrt gilt, nämlich in Teil II der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung.
Die übrigen Tonnenfarben
Rot-grün gestreift bedeutet Fahrrinnenspaltung: die Rinne teilt sich, die Vorbeifahrt ist an beiden Seiten möglich.
Gelbe Tonnen kennzeichnen eine geschützte Badezone. Gelbe Tonnen mit Radarreflektor vor Brückenpfeilern haben eine andere Aufgabe: sie machen die Pfeiler auf dem Radarschirm sichtbar — für die Berufsschifffahrt bei Nacht und Nebel, nicht für dein Auge.
Ein roter Wimpel am Bug gehört nicht zur Betonnung, sondern zum Fahrzeug: es hat Vorrang beim Schleusen.
An der gezeigten Brücke bezeichnet die gelbe Raute eine empfohlene Durchfahrt mit Gegenverkehr. Die seitlichen rot-weißen Tafeln begrenzen zugleich die erlaubte Brückendurchfahrt. Empfehlung, Gegenverkehr und seitliche Begrenzung sind drei Bestandteile derselben Antwort.

Wasserstand: zwei Marken, zwei Folgen
Über Wasserstände und Hochwassermarken informiert die Schifffahrt der Nautische Informationsfunk, dazu Rundfunk, Fernsehen und Internet. Vor Ort liest du es an den Pegeln und ausgewiesenen Hochwassermarken ab.
Die beiden Marken bedeuten eine Eskalation:
- Hochwassermarke I — Geschwindigkeitsbeschränkung und Fahrverbot für Fahrzeuge ohne Sprechfunk.
- Hochwassermarke II — Einstellung der Schifffahrt.
Bei Hochwasser gilt außerdem: Geschwindigkeit anpassen und soweit wie möglich in der Fahrwassermitte bleiben — dort ist die Strömung am gleichmäßigsten und die Gefahr durch überflutete Ufer am geringsten. Besondere Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fahrtbeschränkungen sind zu beachten.
Bei Erreichen der Hochwassermarke II ist die Fahrt unverzüglich einzustellen — nicht beim nächsten Hafen, sofort.
Schleusen, Liegeverbote und Landstrom
Beim gemeinsamen Schleusen gilt eine feste Reihenfolge: Kleinfahrzeuge fahren erst nach den Fahrzeugen ein, die keine Kleinfahrzeuge sind — und erst nach Aufforderung durch die Schleusenaufsicht.
Ein allgemeines Liegeverbot besteht ohne besondere Kennzeichnung auf Schifffahrtskanälen und Schleusenkanälen. Dort braucht es kein Schild; das Verbot gilt von selbst.
Und ein Punkt, der nichts mit Navigation zu tun hat und trotzdem hier steht, weil er Leben rettet: In der Landstromversorgung muss ein Fehlerstromschutzschalter installiert sein. Boot, Wasser und 230 Volt vertragen sich nur mit dieser einen Einrichtung.
Rücksicht auf der Strecke
Näherst du dich in einem engen Gewässer am Ufer festgemachten Fahrzeugen, verringerst du die Geschwindigkeit, um schädlichen Sog und Wellenschlag zu vermeiden. Ein Boot an der Leine kann nicht ausweichen.
Der Wasserskiläufer muss bei der Vorbeifahrt an Fahrzeugen, Schwimmkörpern oder Badenden im Kielwasser des Zugbootes bleiben — er darf nicht ausscheren, wo jemand ist.
Die allgemeine Sorgfaltspflicht fasst zusammen, worum es überall geht: Vermeidung der Gefährdung von Menschenleben, von Beschädigungen an Fahrzeugen, Anlagen oder Ufern, der Behinderung der Schifffahrt und der Beeinträchtigung der Umwelt. Vier Schutzgüter, in dieser Reihenfolge.
Vor dem Befahren fremder Gewässer informierst du dich über die dort geltenden Vorschriften — schlicht, um sie einhalten zu können. Die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gilt nicht überall.
Kapitel 3 · 55 Fragen
Tafel- und Sichtzeichen
Fünfundfünfzig Fragen — mehr als jedes andere Gebiet. Vierundvierzig davon zeigen ein Bild und fragen: was bedeutet das? Wer sie einzeln lernt, lernt vierundvierzig Dinge. Wer die drei Systematiken dahinter kennt, leitet die meisten ab.
Tafelzeichen stehen am Ufer, Sichtzeichen an Bord
Der Unterschied klingt banal und entscheidet trotzdem, wonach du suchst. Tafelzeichen stehen fest an der Wasserstraße: an Brücken, Schleusen, Ufern. Sie gelten für die Strecke. Sichtzeichen führt ein Fahrzeug mit sich — Bälle, Kegel, Zylinder, Flaggen. Sie sagen etwas über dieses Fahrzeug.
Sichtzeichen haben fast immer ein nächtliches Gegenstück: was am Tag ein blauer Kegel ist, ist nachts ein blaues Licht. Deshalb lohnt es sich, dieses Kapitel und die Lichterführung zusammen zu lesen — es sind zwei Sprachen für dieselben Aussagen.
Erste Systematik: Rot ist gesperrt, Grün ist frei
Bei schwimmenden Geräten sowie festgefahrenen oder gesunkenen Fahrzeugen entscheiden Farbe und vollständige Anordnung der Zeichen. Eine einzelne Farbe genügt nicht.
- Beim schwimmenden Gerät bedeutet die grüne Seite: Vorbeifahrt gestattet; die rote Seite ist gesperrt.
- Bei der Variante mit rot-weißer Bezeichnung ist die Vorbeifahrt dort gestattet, aber Sog und Wellenschlag sind zu vermeiden. Eine daneben rein rot bezeichnete Seite bleibt gesperrt.
- Bei den Tafeln ist grün-weiß-grün die freie und rot-weiß-rot die gesperrte Seite. Die gezeigten beidseitig freigegebenen Anordnungen erlauben die Vorbeifahrt an jeder Seite.
Unterscheide außerdem die Fahrzeugart: Die rot-weiß/rote Kombination bei der zugeordneten Abbildung bezeichnet ein festgefahrenes oder gesunkenes Fahrzeug. Bei den übrigen hier gezeigten Arbeitszeichen lautet die Antwort schwimmendes Gerät bei der Arbeit. Beides gehört neben der erlaubten Seite zur Prüfung.






Zweite Systematik: blaue Kegel zählen wie blaue Lichter
Die gefährliche Ladung wird am Tag mit blauen Kegeln angezeigt, nachts mit blauen Lichtern — und die Anzahl bedeutet in beiden Fällen dasselbe:
- Ein Kegel — brennbare Stoffe, Abstand beim Stillliegen 10 m
- Zwei Kegel — gesundheitsschädliche Stoffe, 50 m
- Drei Kegel — explosive Stoffe, 100 m
Wer die Lichter gelernt hat, kann die Kegel schon. Das ist eine der wenigen Stellen im Katalog, an denen sich zwei Fragengruppen gegenseitig erledigen.



Dritte Systematik: die Verbotszeichen
Viele Verbotszeichen zeigen einen roten Rand, ein weißes Feld, ein Symbol und einen roten Schrägbalken. Das ist eine häufige Gestaltung, aber keine vollständige Regel: Auch das rot-weiß-rote Durchfahrtsverbot ist ein Verbot ohne Schrägbalken.
Jedes Tafelzeichen wird deshalb anhand seines vollständigen Bildes gelernt. Das hier gezeigte Verbotszeichen für den Maschinenantrieb untersagt die Fahrt von Fahrzeugen mit Maschinenantrieb, nicht nur von Kleinfahrzeugen. Das Zeichen für den Mindestabstand nennt den einzuhaltenden Abstand in Metern; er gilt auf der nachfolgenden Strecke ab dem Aufstellungsort.













Brücken und Durchfahrten
An Brücken hängen Tafeln, die sagen, wo du durchfährst und ob dir jemand entgegenkommt. Die Unterscheidung, die die Prüfung abfragt, ist die zwischen erlaubt und empfohlen:
- Vorgeschrieben oder verboten — die Durchfahrt zwischen zwei Tafeln ist erlaubt, alles andere nicht.
- Empfohlen — die Öffnung ist die vorgesehene, aber nicht die einzig zulässige.
Dazu kommt die Richtung: manche Durchfahrten sind in beide Richtungen erlaubt, andere nur in einer, und wieder andere sind empfohlen mit oder ohne Gegenverkehr. Die Tafel sagt es; man muss nur unterscheiden, ob sie vorschreibt oder empfiehlt.











Liegestellen, Wehre und Geschwindigkeit
Einige Zeichen betreffen das Stillliegen und die Strecke. Bei den Liegestellen ist die entscheidende Frage, ob Kleinfahrzeuge dort dürfen: Liegestellen für Fahrzeuge mit explosiven Stoffen sind für sie verboten, Liegestellen für Fahrzeuge ohne gefährliche Güter auch für Kleinfahrzeuge zugelassen.
Ein eigenes Zeichen weist auf ein Wehr hin — das ist kein Hinweis unter vielen, sondern eine Warnung vor einer Anlage, an der Sportboote regelmäßig verunglücken.
Bei den Geschwindigkeitszeichen gilt eine Besonderheit, die gern übersehen wird: Die Angabe bezieht sich auf die Geschwindigkeit gegenüber dem Ufer, nicht durchs Wasser. Bei Strom macht das einen erheblichen Unterschied.








Hindernisse am Ufer: Kegel oben oder unten
Buhnen und Kribben — die steinernen Sporne, die ins Wasser ragen — werden mit Stangen und Toppzeichen markiert. Welche Seite der Wasserstraße gemeint ist, steht in Farbe und Kegelrichtung:
- Rechte Seite: rot, Kegel mit der Spitze nach unten. Alternativ eine rot-weiß gestreifte Schwimmstange mit rotem Zylinder.
- Linke Seite: grün, Kegel mit der Spitze nach oben. Alternativ eine grün-weiß gestreifte Stange oder grüne Tonne mit grünem Kegel, Spitze oben.
Und wenn du selbst innerhalb des Fahrwassers Grundberührung hattest, bist du zur Meldung verpflichtet: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung oder Wasserschutzpolizei, mit genauer Angabe der Hindernisstelle. Ein unbekanntes Hindernis im Fahrwasser gefährdet den Nächsten.
Die blaue Tafel mit dem weißen Funkellicht
Ein Fahrzeug, das an der Steuerbordseite seines Ruderhauses eine blaue Tafel mit weißem Funkellicht zeigt, kündigt an: wir begegnen uns an Steuerbord — also nicht, wie sonst üblich, backbord an backbord.
Für dich als Kleinfahrzeug gilt eine wichtige Einschränkung: Das Zeichen gilt nicht für Kleinfahrzeuge. Es verpflichtet dich aber zu erhöhter Aufmerksamkeit — der große Fahrzeugführer erwartet dort Verkehr und rechnet nicht mit dir.
Dieselbe Regel gilt an der Schleuse: Kommt ein Fahrzeug mit blauer Tafel aus der Kammer, passieren sich die Berufsfahrzeuge an Steuerbord, und das Kleinfahrzeug ist nur zu erhöhter Aufmerksamkeit verpflichtet.
Rote Flaggen — drei verschiedene Bedeutungen
Hier liegt eine echte Falle, weil dieselbe Farbe für drei Dinge steht und die Prüfung sie einzeln abfragt:
- Rote Flagge kreisen — ein Fahrzeug in Not, das Hilfe herbeiruft.
- Rote Flagge im unteren Halbkreis schwenken — das Fahrzeug ist manövrierunfähig. Nachts wird stattdessen ein rotes Licht so geschwenkt. Der Katalog nennt dazu vier kurze Töne.
- Rot-weiße Flagge — ein schutzbedürftiges Fahrzeug: Geschwindigkeit vermindern, Sog und Wellenschlag vermeiden, in möglichst weitem Abstand vorbeifahren.
Der Unterschied ist die Bewegung: kreisen heißt Not, schwenken im unteren Halbkreis heißt manövrierunfähig. Und rot-weiß ist gar kein Notruf, sondern eine Bitte um Rücksicht.

Sog und Wellenschlag: wo überall langsamer gefahren wird
„Sog und Wellenschlag vermeiden“ steht auf einem eigenen Tafelzeichen — aber die Pflicht gilt auch ohne Schild an fünf Orten, und die Prüfung fragt sie als Aufzählung ab:
- vor Hafeneinmündungen
- an Lade-, Lösch- und Liegeplätzen
- in der Nähe nicht frei fahrender Fähren
- auf gekennzeichneten Strecken
- in der Nähe schwimmender Geräte bei der Arbeit
Wasserski schließlich ist nur dort erlaubt, wo ein Tafelzeichen die Fläche freigibt — nicht überall, wo nichts verboten ist.
Der gezeigte gelbe Zylinder mit schwarzen und weißen Streifen kennzeichnet das Schleppfahrzeug an der Spitze eines Schleppverbandes.


Kapitel 4 · 35 Fragen
Lichterführung
Nachts siehst du vom anderen Fahrzeug nur Lichtpunkte. Aus Farbe, Zahl und Anordnung liest du ab, was da fährt, wohin es fährt und wer ausweichen muss. Das ist keine Gedächtnisübung, sondern eine Sprache mit wenigen Vokabeln.
Wann und wozu
Lichter werden geführt von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang und bei verminderter Sicht. Nicht bei Dunkelheit — die Vorschrift knüpft an den Sonnenstand an, und Nebel am Mittag zählt genauso.
Wozu sie dienen, ist eine eigene Prüfungsfrage mit knapper Antwort: Sie zeigen Fahrtrichtung und Lage eines Fahrzeugs an. Nicht seine Größe, nicht seinen Namen — Richtung und Lage.
Die vier Grundlichter und ihre Sichtwinkel
Topplicht, Seitenlichter und Hecklicht bilden die Grundlage der Lichterführung. Ihre Farben und Sichtwinkel sind häufige Prüfungsangaben; besondere Fahrzeugzustände kommen durch weitere Lichter hinzu.
- Topplicht — weiß, 225°, nach vorn
- Seitenlichter — Backbord rot, Steuerbord grün, je 112,5°
- Hecklicht — weiß, 135°, nach achtern
Die Zahlen ergeben zusammen den Vollkreis: 225° nach vorn plus 135° nach achtern sind 360°. Und zwei Seitenlichter zu je 112,5° ergeben genau die 225° des Topplichts. Wer das einmal nachrechnet, muss die Zahlen nicht auswendig lernen.
Was du daraus über die Richtung liest
Ein rotes Seitenlicht zeigt die Backbordseite, ein grünes Seitenlicht die Steuerbordseite. Beide Seitenlichter zusammen bedeuten einen Blick in den Vorausbereich des anderen. Ein weißes Hecklicht zeigt den Achterausbereich. Ein einzelnes weißes Licht kann jedoch auch ein Rundumlicht sein: Ohne weitere Merkmale lässt sich daraus kein Heck und keine Bewegungsrichtung sicher ableiten.
Genau darauf zielen die Kreuzungsfragen. Ein Fahrzeug mit Zweifarbenlaterne und Topplicht, das von achtern aufkommt, ist ein Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb. Ein entgegenkommendes Fahrzeug mit nur einem weißen Licht ist ein Kleinfahrzeug ohne Maschinenantrieb.
Kleinfahrzeuge: die Erleichterungen
Für Boote unter 20 Metern gelten Ausnahmen, und die Prüfung fragt sie gezielt ab.
Ein Segelfahrzeug unter 20 m darf statt Seitenlichtern und Hecklicht eine Dreifarbenlaterne an oder nahe der Mastspitze führen — ein Licht statt dreier.
Ein Kleinfahrzeug ohne Maschinenantrieb muss mindestens ein von allen Seiten sichtbares weißes Licht führen. Ein geschlepptes Kleinfahrzeug ebenfalls; deshalb führen geschleppte oder längsseits gekuppelte Kleinfahrzeuge nachts nur dieses eine weiße Rundumlicht.
Wer unter Segel ein weißes Rundumlicht im Topp führt und bei Annäherung anderer eine weiße Handlampe zeigen muss, leuchtet damit zweckmäßigerweise die eigenen Segel an — die Fläche ist weithin sichtbar, ein Punktlicht nicht.
Sobald die Maschine zum Antrieb genutzt wird
Das ist die Falle, die in mehreren Fragen steckt. Ein Fahrzeug unter Segel, das gleichzeitig mit Maschinenkraft fährt, führt die Lichter eines Maschinenfahrzeugs — es gilt rechtlich als Motorboot, egal wie viel Tuch steht.
Wer unter Segel fährt und zusätzlich Maschinenkraft zum Antrieb nutzt, führt die Lichter eines Maschinenfahrzeugs. Beim in der Frage beschriebenen Kleinfahrzeug kommen zum weißen Rundumlicht die Seitenlichter hinzu, unmittelbar nebeneinander oder in einer einzigen Laterne.
Auch beim Schleppen: Ein Kleinfahrzeug unter Motor, das ein anderes ohne Maschinenantrieb schleppt, führt die Lichter eines Kleinfahrzeugs mit Maschinenantrieb.
Blaue Lichter: gefährliche Ladung
Gefährliche Ladung wird durch blaue Lichter in der vorgeschriebenen Anordnung angezeigt. Deren Anzahl unterscheidet die hier abgefragten Gruppen; die folgenden Abstände gelten beim Stillliegen.
- Ein blaues Licht — brennbare Stoffe, Abstand beim Stillliegen 10 m
- Zwei blaue Lichter — gesundheitsschädliche Stoffe, 50 m
- Drei blaue Lichter — explosive Stoffe, 100 m
Eins, zwei, drei Lichter für zehn, fünfzig, hundert Meter — die Reihenfolge ist die einzige Eselsbrücke, die es braucht.
Stillliegen und Schleusen
Ein stillliegendes Fahrzeug setzt ein von allen Seiten sichtbares weißes Rundumlicht auf der Fahrwasserseite — nicht irgendwo, sondern dort, wo der Verkehr vorbeikommt.
Zwei weiße Lichter übereinander auf einem stillliegenden Fahrzeug bedeuten mehr: ein Ankerlieger, dessen Anker die Schifffahrt gefährden kann.
An der Schleuse zählt die Kombination. Rot oder rot und grün heißt: Einfahrt verboten, das Öffnen wird vorbereitet. Erst danach wird die Einfahrt freigegeben.
Zwei grüne Lichter nebeneinander vor der Schleuse bedeuten in der Prüfungsabbildung: Einfahrt frei, Gegenverkehr gesperrt.

Der Schubverband
Ein Schubverband führt drei weiße Topplichter in einem Dreieck, dazu die Seitenlichter und drei weiße Hecklichter waagerecht nebeneinander. Drei Lichter oben, drei hinten — das ist die auffälligste Lichterführung auf der Binnenwasserstraße, und sie gehört zum größten Fahrzeug, dem du begegnest.
Die Lichterbilder, die abgefragt werden
Diese Bilder kommen in der Prüfung genau so vor. Sie lassen sich mit dem bisher Gelernten lesen — Anzahl, Farbe, Anordnung.
Beim schwimmenden Gerät bei der Arbeit erlauben die gezeigten zwei grünen Lichter übereinander auf beiden Seiten die Vorbeifahrt an jeder Seite. Grün auf einer und Rot auf der anderen Seite bedeutet: grüne Seite frei, rote Seite gesperrt. Rot über Weiß auf beiden Seiten erlaubt ebenfalls die beidseitige Vorbeifahrt, verlangt aber ausdrücklich, Sog und Wellenschlag zu vermeiden.
Ist das Boot manövrierunfähig, nennt der Katalog vier kurze Töne sowie das Schwenken einer roten Flagge bei Tag beziehungsweise eines roten Lichts bei Nacht im unteren Halbkreis.










Kapitel 5 · 16 Fragen
Schallsignale
Sechzehn Fragen, und fast alle lassen sich aus zwei Zahlen und einer Handvoll Muster ableiten. Wer die Länge eines Tons kennt, kann die meisten Signale lesen, ohne sie einzeln gelernt zu haben.
Zwei Längen, mehr gibt es nicht
Ein kurzer Ton dauert etwa eine Sekunde. Ein langer Ton dauert vier bis sechs Sekunden. Das sind die beiden Bausteine, aus denen jedes Signal besteht.
Dazu kommt ein dritter Fall mit eigener Definition: die Folge sehr kurzer Töne. Das sind mindestens sechs Töne von je einer viertel Sekunde, mit je einer viertel Sekunde Pause. Sie bedeutet Gefahr eines Zusammenstoßes — und sie ist das einzige Signal, das man nie geben will.
Die Signale, die man am Zählen erkennt
Vier Signale bestehen nur aus Tönen ohne Bild. Man erkennt sie daran, wie oft es tutet:
- Ein langer Ton — Achtung!
- Vier kurze Töne — Fahrzeug ist manövrierunfähig.
- Fünf kurze Töne — Überholen nicht möglich.
- Folge sehr kurzer Töne — Gefahr eines Zusammenstoßes.
Der Zusammenhang ist logisch: je mehr Töne, desto dringender. Ein langer Ton macht aufmerksam, vier sagen „ich kann nicht mehr“, fünf sagen „lass es bleiben“, und die Folge sehr kurzer Töne ist der Alarm.
Die Manöversignale: ein Bauplan statt sechs Vokabeln
Sechs Signale, und in jedem Lehrbuch stehen sie als sechs Dinge zum Auswendiglernen. Nebeneinandergestellt zeigen sie einen Bauplan:
- Die langen Töne sagen, worum es geht: einer = Wenden, zwei = Überholen, drei = Hafen- oder Nebenwasserstraße.
- Die kurzen Töne sagen, welche Seite: einer = Steuerbord, zwei = Backbord.
Damit sind alle sechs Signale ableitbar, ohne eines davon gelernt zu haben. „Zwei lange, zwei kurze“ ist Überholen an der Backbordseite — man muss es nur zusammensetzen.
Das Bleib-weg-Signal
Ein Signal fällt aus der Reihe, weil es nicht der Verständigung dient, sondern der Rettung: das Bleib-weg-Signal. Es ist ein fortgesetzter Wechsel aus kurzem und langem Ton.
Es bedeutet: Gefahrenbereich sofort verlassen. Gegeben wird es von Fahrzeugen mit gefährlicher Ladung, wenn diese Gefahr akut wird. Wer es hört, diskutiert nicht, sondern fährt weg.
Wenn du selbst Hilfe brauchst
In einer Notsituation gibst du wiederholte lange Töne oder Gruppen von Glockenschlägen. Kein bestimmtes Muster, keine Zählung — die Wiederholung ist das Signal.
Ein Segelsurfer hat weder Horn noch Glocke. Für ihn gilt deshalb ein optisches Notsignal: kreisförmiges Schwenken der Arme oder eines Gegenstandes.
Dasselbe Schwenken taucht beim manövrierunfähigen Fahrzeug wieder auf: dort werden bei Tag eine rote Flagge, bei Nacht ein rotes Licht im unteren Halbkreis geschwenkt — zusätzlich zu den vier kurzen Tönen.
Kapitel 6 · 17 Fragen
Begegnen, Ausweichen, Zusammenstoß
Bei Begegnungen kommt es auf Fahrzeugart, Fahrwasser und Situation an. Lerne, wann du ausweichen musst und welche Regeln zwischen Kleinfahrzeugen gelten.
Woran du eine Kollisionsgefahr erkennst
Die Definition ist knapp und lässt sich auf dem Wasser wirklich anwenden: Gefahr eines Zusammenstoßes besteht, wenn sich zwei Fahrzeuge bei gleichbleibender Peilung einander nähern.
Die Kompasspeilung zum anderen Fahrzeug wird wiederholt mit dem Abstand verglichen. Bleibt die Peilung nahezu gleich, während der Abstand kleiner wird, besteht Kollisionsgefahr. Eine veränderliche Peilung allein ist keine allgemeine Entwarnung; die gesamte Annäherung bleibt zu beobachten.
Die Grundregel für Kleinfahrzeuge
Kleinfahrzeuge sind gegenüber Fahrzeugen, die keine Kleinfahrzeuge sind, ausweichpflichtig. Sie müssen für deren Kurs und den zum Manövrieren notwendigen Raum lassen.
Das gilt auch auf kreuzenden Kursen: Nähern sich ein Kleinfahrzeug und ein Fahrzeug über 20 m Länge mit Kollisionsgefahr, weicht das Kleinfahrzeug aus. Es gibt hier keine Vorfahrt des Segels und keine Rechts-vor-links-Regel.
Der Grund steht nicht in der Frage, aber er hilft beim Behalten: Ein Frachtschiff auf dem Rhein braucht Hunderte Meter zum Stoppen und kann die Fahrrinne nicht verlassen. Du kannst beides.
Motorboot gegen Motorboot
Zwei Regeln, beide kurz:
- Entgegengesetzte Kurse — jedes Fahrzeug ändert seinen Kurs nach Steuerbord. Beide, nicht eines.
- Kreuzende Kurse — ausweichen muss das Fahrzeug, das das andere an seiner Steuerbordseite hat.
Die zweite Regel ist die Seefahrt-Version von „rechts vor links“: Wer den anderen rechts von sich sieht, weicht aus.
Der schwarze Kegel — und warum er alles umdreht
Ein Fahrzeug unter Segel gilt als Maschinenfahrzeug, sobald es gleichzeitig mit Maschinenkraft fährt. Am Tage zeigt es das mit einem schwarzen Kegel, Spitze unten.
Dieser Kegel ist die meistgeprüfte Kleinigkeit des ganzen Katalogs, weil er die Rangfolge umkehrt:
- Ein Segelfahrzeug auf Kollisionskurs mit einem Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb: das Segelfahrzeug hält Kurs und Geschwindigkeit — der Motor weicht.
- Trägt das Segelfahrzeug aber einen schwarzen Kegel, ist es selbst Maschinenfahrzeug und damit ausweichpflichtig.
- Begegnen sich ein Segler mit Wind von Backbord und eine Segelyacht mit Wind von Steuerbord und Kegel, weicht die Yacht mit dem Kegel — obwohl sie nach der Windregel Vorrang hätte.
Ein Segelsurfer steht dabei ganz unten in der Rangfolge — ihm muss ein Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb ausweichen.
Unter Segel untereinander
Zwischen Segelbooten gilt die Luv-Lee-Regel. Verringert sich der seitliche Abstand zwischen mehreren Booten ständig, darf das leeseitige Boot seinen Kurs beibehalten — die luvwärtigen müssen ausweichen.
Das ist dieselbe Logik wie im Regelwerk der Kollisionsverhütungsregeln: Wer in Lee ist, hat den schlechteren Wind und den kleineren Handlungsspielraum.
Die Prüfung stellt das auch als Kette dar: Liegen drei Boote so, dass A in Lee von B und B in Lee von C ist, dann ist A gegenüber B und C kurshaltepflichtig, B gegenüber C. Jeder weicht dem aus, der weiter in Lee liegt.

Wenn doch etwas passiert
Nach einem Zusammenstoß gilt: Hilfe leisten und so lange am Unfallort bleiben, bis weiterer Beistand nicht mehr erforderlich ist. Alle erforderlichen Daten austauschen. Die Reihenfolge ist kein Zufall — erst Menschen, dann Papiere.
Und es gibt einen Fall, in dem du von den Vorschriften abweichen darfst: bei unmittelbar drohender Gefahr für dich oder andere. Die Regeln sollen Unfälle verhindern; wo sie einen verursachen würden, treten sie zurück.
Kapitel 7 · 48 Fragen
Segeln
Beim Segeln gehören Wind, Segelstellung und Bootsgleichgewicht zusammen. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann die Wirkung eines Manövers besser einschätzen.
Die drei Ausweichregeln unter Segel
Zwischen Segelfahrzeugen gelten drei Grundregeln, und die Prüfung fragt jede einzeln:
- Wind von verschiedenen Seiten — das Boot mit Wind von Backbord weicht dem Boot mit Wind von Steuerbord aus.
- Wind von derselben Seite — das luvseitige Boot weicht dem leeseitigen aus.
- Im Zweifel — kann ein Boot mit Wind von Backbord nicht klar ausmachen, ob das luvwärtige Boot den Wind von Steuerbord hat, weicht es aus.
Die dritte Regel wirkt umständlich und ist die praktischste: Sie sagt, was zu tun ist, wenn man es nicht genau sieht — ausweichen.
Zusätzlich gilt beim Kreuzen in Ufernähe: Ein Boot darf ein anderes, das sein steuerbordseitiges Ufer anhält, nicht zum Ausweichen zwingen. Wer an der Wand segelt, hat keinen Platz.



Und wenn eine Regatta im Weg ist
Gerätst du als Nichtteilnehmer in ein Regattafeld, gelten für dich die Ausweichregeln der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung — nicht die Wettfahrtregeln. Die Regatta ist eine private Verabredung; das Verkehrsrecht bleibt davon unberührt.
Eine Fahrerlaubnis für Sportboote unter Segeln braucht man übrigens nur auf bestimmten Wasserstraßen in Berlin und Brandenburg — anderswo gilt sie für Segelboote nicht.
Scheinbarer Wind: eine Rechnung, sechs Antworten
Der wahre Wind ist der, den du im Stillliegen spürst. Der Fahrtwind entsteht durch deine eigene Bewegung und kommt immer von vorn. Was du an Bord spürst, ist die Summe von beidem: der scheinbare Wind.
- Hoch am Wind — wahrer Wind und Fahrtwind addieren sich in Richtung und Stärke. Der scheinbare Wind ist stärker.
- Vorwind — der Fahrtwind steht dem wahren entgegen und vermindert ihn. Der scheinbare Wind ist schwächer — und er kommt aus derselben Richtung wie der wahre.
Daraus erklärt sich die Prüfungsfrage nach dem gerefften und dem ungerefften Boot: Auf Amwindkurs ist der scheinbare Wind stärker, auf Raumschot- und Vorwindkursen schwächer. Zwei gleiche Boote erleben bei demselben wahren Wind unterschiedlich viel Druck — je nach Kurs.
Den wahren Wind erkennst du während der Fahrt nicht an Bord, sondern an Flaggen oder anderen Anzeichen an Land. Alles an Bord zeigt den scheinbaren.
Was Stander und Verklicker an Bord anzeigen, ist folgerichtig der scheinbare Wind — sie sitzen ja auf einem fahrenden Boot.
Die Bö — und was man aus ihr macht
Fällt auf Amwindkurs eine Bö ein, nimmt der wahre Wind zu, während der Fahrtwind zunächst gleich bleibt. Der scheinbare Wind raumt also — er dreht nach achtern.
Das ist kein Ärgernis, sondern ein Geschenk: Auf der Kreuz kannst du mitluven und dabei Höhe gewinnen. Wer in der Bö den Kurs hält, verschenkt sie.
Trimm: bauchig bei wenig, flach bei viel
Die Grundregel ist kurz: Leichter Wind — bauchiges Segel. Starker Wind — flaches Segel. Der Unterliekstrecker macht je nach Zug den unteren Teil des Großsegels bauchiger oder flacher.
Der Holepunkt des Vorsegels verteilt den Zug zwischen Unter- und Achterliek. Steht er falsch, sagt das Segel es dir:
- Holepunkt zu weit vorn — das Unterliek killt, das Achterliek wird übermäßig gereckt.
- Holepunkt zu weit achtern — das Achterliek killt, das Unterliek wird gereckt.
Es killt immer das Liek, dem der Zug fehlt. Wer sich das merkt, muss die beiden Fälle nicht auseinanderhalten — er sieht es am Segel.
Ein zu dicht geholtes Großsegel auf Halbwindkurs erhöht die Krängung und senkt die Geschwindigkeit. Mehr Schot ist nicht mehr Vortrieb.
Luvgierig und leegierig — und warum leicht luvgierig gewollt ist
Muss die Pinne auf Amwindkurs stets stark von der Segelseite weggezogen werden, ist das Boot zu luvgierig: Großsegel flacher trimmen und Gewicht nach achtern verlagern.
Muss sie stets zur Segelseite hingedrückt werden, ist es zu leegierig: Großsegel bauchiger und Gewicht nach vorn.
Zunehmende Krängung verstärkt die Luvgierigkeit — deshalb wird eine Jolle möglichst aufrecht gesegelt: sonst nehmen Abdrift und Luvgierigkeit zu.
Ganz ohne Luvgierigkeit will man aber nicht segeln. Ein gut getrimmtes Boot ist leicht luvgierig, damit es im Notfall von selbst in den Wind schießt. Lässt du das Ruder los, stellt es sich hin, statt weiterzurasen.
Schwert, Krängung und Kentern
Das Schwert arbeitet gegen die Abdrift und ist gleichzeitig ein Hebel für die Krängung.
- Auf Amwindkurs etwas aufgeholt: die Abdrift wird größer, die Krängung nimmt ab.
- Auf Vorwindkurs sollte es aufgeholt werden — das mindert den Reibungswiderstand und die Kentergefahr bei einer unfreiwilligen Halse.
Der Unterschied zwischen Jolle und Kielyacht ist eine Frage der Stabilität. Kielyachten sind vorwiegend gewichtsstabil: Ihr aufrichtendes Moment nimmt zunächst zu, überschreitet ein Maximum und erreicht den kritischen Winkel erst über 90°. Bei der Jolle steigt es bis zu einem Maximum, fällt dann wieder — und wenn Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt übereinanderliegen, kentert sie.
Bleibt eine Jolle an einer Boje liegen, werden Schwert und Ruderblatt aufgeholt, damit das Boot frei schwojen kann.
Bei formstabilen Booten — der Gegenbegriff zur gewichtsstabilen Kielyacht — erhöht man die Stabilität bei viel Wind durch Ausreiten oder die Trapezeinrichtung: Die Crew wird zum Ballast, den der Rumpf nicht mitbringt.
Formstabil und gewichtsstabil
Zwei Begriffe, die die Prüfung einzeln definiert haben will:
- Formstabilität — die Fähigkeit, durch die Rumpfform der Krängung entgegenzuwirken. Typisch für Jollen.
- Gewichtsstabilität — die Fähigkeit, durch tief liegenden Ballast der Krängung entgegenzuwirken. Typisch für Kielyachten.
Zwei Sonderformen tragen eigene Namen. Ein Kimmkieler ist eine Yacht mit zwei Seitenkielen; ihr Vorteil ist, dass sie problemlos aufrecht trockenfallen kann. Eine Kielschwertyacht hat einen flach gehenden Ballastkiel und zusätzlich ein aufholbares Schwert — Stabilität und geringer Tiefgang zugleich.
Die Bodenlenzventile einer Jolle liegen unterhalb der Wasserlinie und wirken durch den Sog, der bei Fahrt durchs Wasser entsteht. Sie lenzen also nur, wenn das Boot fährt.
Bricht das Ruder einer Jolle: Notruder oder Paddel als Ersatz nehmen, das Fahrwasser verlassen und sich als manövrierunfähig zu erkennen geben.
Das Segel selbst
Die Namen werden wörtlich abgefragt. Die drei Ecken heißen Kopf, Hals, Schothorn. Die drei Kanten heißen Vorliek, Unterliek, Achterliek.
Segellatten dienen der Formgebung und Aussteifung. Killen über längere Zeit ist zu vermeiden: es schädigt das Tuch und lässt Nähte aufgehen.
Bei Krängung lässt sich eine Pinnensteuerung mit einem Pinnenausleger sicher bedienen — man sitzt am hohen Rand und steuert trotzdem.
Zwei Dinge, die nichts mit Segeln zu tun haben
Zwei Fragen stehen im Segelteil und gehören sachlich woandershin — die Prüfung fragt sie trotzdem hier:
Um bei unsichtigem Wetter zu fahren, braucht ein Fahrzeug eine für die Binnenschifffahrt zugelassene funktionsfähige Radaranlage und eine Sprechfunkanlage für den Binnenschifffahrtsfunk. Beides, nicht eines von beidem.
Beim Neuanstrich des Unterwasserschiffs und beim Entfernen des alten Anstrichs wird der Arbeitsbereich großzügig abgedeckt, und der Abfall ist Sondermüll.
Kapitel 8 · 10 Fragen
Wind, Wetter und Sicht
Luftdruck, Wind und Wolken liefern Hinweise auf die Wetterentwicklung. Lerne, Beobachtungen einzuordnen und gefährliche Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.
Luv und Lee
Zwei Wörter, die im ganzen Skript vorkommen und die einmal sauber stehen sollten. Luv ist die dem Wind zugekehrte Seite, Lee die dem Wind abgewandte.
Lee bezeichnet eine Richtung relativ zum Wind; die windabgewandte Seite muss nicht windstill sein.
Was das Wetter macht
Ausschlaggebend für Wind und Niederschläge sind drei Faktoren: Luftdruckänderung, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Nicht der Luftdruck selbst — seine Änderung.
Daraus folgt die praktisch wichtigste Regel an Bord:
- Schnell und stetig fallender Luftdruck — schlechtes Wetter, Starkwind oder Sturm.
- Langsam aber stetig steigender Luftdruck — besseres Wetter, Sonne.
Schnell fallender Druck lässt schlechtes Wetter, Starkwind oder Sturm erwarten; langsamer stetiger Anstieg spricht für besseres Wetter. Diese Tendenzen werden mit den übrigen Wetterbeobachtungen beurteilt.
Unsichtiges Wetter
Unsichtiges Wetter entsteht durch Nebel, Schneefall und starken Regen — drei Ursachen, die die Prüfung als Aufzählung erwartet.
Tritt es während der Fahrt ein, ist auf bestimmten Wasserstraßen die Fahrt unverzüglich einzustellen, wenn Radar und Sprechfunk fehlen. Eine Radarfahrt ist folgerichtig definiert als eine Fahrt bei unsichtigem Wetter mit Radar.
Ein Radarreflektor am Sportboot macht dich umgekehrt auf fremden Radarbildschirmen besser erkennbar. Ein Kunststoffrumpf mit Segeln wirft kaum ein Echo — der Reflektor ist das, was dich für ein Frachtschiff im Nebel überhaupt sichtbar macht.
Wasserski und Sicht
Wasserski ist auf den erlaubten Abschnitten nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und bei einer Sicht von 1.000 Metern und mehr zulässig. Zwei Bedingungen, beide werden abgefragt.
Kapitel 9 · 25 Fragen
Motor, Propeller und Flüssiggas
Fünfundzwanzig Fragen zur Maschine — und ein Drittel davon dreht sich um eine einzige Eigenheit: Ein Propeller schiebt nicht nur, er zieht das Heck auch zur Seite.
Drehrichtung und Radeffekt
Die Drehrichtung wird immer von achtern gesehen, in Vorausfahrt bestimmt. Rechtsdrehend heißt im Uhrzeigersinn, linksdrehend gegen den Uhrzeigersinn.
Der Radeffekt — die indirekte Ruderwirkung des Propellers — ist das seitliche Versetzen des Hecks. Er entsteht, weil die Schraube im Wasser nicht nur schiebt, sondern auch abstützt.
Bei einem rechtsdrehenden Propeller dreht das Heck im Rückwärtsgang nach Backbord. Genau deshalb ist die Backbordseite die empfehlenswerte Anlegeseite: Beim Aufstoppen im Rückwärtsgang zieht der Radeffekt das Fahrzeug an die Pier, statt es abzudrängen.
Die Kenntnis der Drehrichtung hilft beim Manövrieren — das ist die knappe Prüfungsantwort, und sie beschreibt genau diesen Zusammenhang.
Bei einem Elektromotor nennt die gemeinsame Basisfrage als Grenze für das Führen ohne Fahrerlaubnis höchstens 7,5 kW in Betriebsart S1 (Dauerbetrieb). Entscheidend ist diese Dauerbetriebsleistung, nicht eine kurzfristige Spitzenleistung.
Ruderwirkung
Ein Ruderblatt wirkt nur, wenn Wasser daran vorbeiströmt. Daraus folgen zwei Prüfungsantworten:
- Bei Einbaumaschine mit starrer Welle setzt die Ruderwirkung bei Aufnahme der Rückwärtsfahrt erst relativ spät ein — sie beginnt erst mit Anströmung des Ruderblattes.
- Ein Fahrzeug mit Außenbordmotor ohne Ruderanlage erzielt die Ruderwirkung durch Schraubenstrom und Richtung des Propellers — der Motor schwenkt mit und lenkt den Strahl.
Angelegt wird möglichst gegen Strom und Wind, weil sich das Fahrzeug dabei sicherer manövrieren lässt: Beides bremst, und was bremst, lässt sich dosieren.
Was man im Blick behält
Während der Fahrt gehören drei Dinge ständig überwacht: Motortemperatur, Öldruck, Ladekontrolle. Drei Anzeigen, drei Fehlerbilder — und die Prüfung fragt jedes einzeln ab:
- Temperatur zu hoch — defektes Thermostat, defekte Impellerpumpe, geschlossenes Seeventil, zu niedriger Kühlwasserstand. Alle vier Ursachen betreffen die Kühlung.
- Ladekontrollleuchte erlischt nicht — Lichtmaschine oder deren Regler defekt.
- Ölkontrollleuchte bleibt an — Druckschalter oder Öldruckpumpe defekt.
Zwei weitere Störungsbilder: Bleibt der Motor nach dem Einkuppeln stehen, ist der Propeller blockiert. Bleibt ein Außenborder mit vollem Tank unterwegs stehen, ist die Belüftungsschraube geschlossen oder die Kraftstoffleitung verstopft — in beiden Fällen kommt kein Sprit nach.
Der Quickstopp — die Reißleine am Handgelenk — bewirkt die Unterbrechung von Zündkontakt oder Kraftstoffzufuhr. Fällt der Fahrer über Bord, steht der Motor.
Tanken und Verlassen
Beim Tanken gelten vier Regeln, und alle vier zielen auf dasselbe: kein Funke, kein Überlauf.
- Motor abstellen
- keine elektrischen Schalter betätigen
- Vorbereitung gegen das Überlaufen von Kraftstoff treffen
- kein offenes Feuer
Gelangt Treibstoff oder Öl in die Bilge, wird es mit Lappen aufgenommen und umweltgerecht entsorgt — nicht gelenzt. Die Bilgenpumpe würde es ins Gewässer befördern.
Für das längere Verlassen des Fahrzeugs: alle Seeventile schließen und den Hauptschalter des Bordnetzes ausschalten. Zwei Handgriffe gegen Wassereinbruch und Kabelbrand.
Flüssiggas: schwerer als Luft
Propan und Butan sind an Bord besonders gefährlich, weil sie schwerer als Luft sind und mit ihr ein explosives Gemisch bilden. Ausströmendes Gas steigt nicht auf und verfliegt — es sinkt in die Bilge und bleibt dort.
Aus dieser einen Eigenschaft folgt die gesamte Vorschrift:
- Lagerung möglichst an Deck, geschützt vor Sonneneinstrahlung — sonst in einem besonders abgeschlossenen Raum für Gasbehälter, der in Bodenhöhe eine Öffnung nach außenbords hat. Genau dort, wo das schwere Gas hinsinkt.
- Vor Inbetriebnahme: Die Anlage muss abgenommen sein, Leitungen und Anschlüsse dicht; Haupthahn und Absperrventile werden geöffnet.
- Außerbetriebnahme: Haupthahn und Absperrventile schließen.
Ist Gas ins Bootsinnere gelangt: Gaszuführung absperren und für Lüftung sorgen — und dabei keine elektrischen Schalter betätigen, keinen Funk und keine Mobiltelefone benutzen. Jeder Schaltfunke kann zünden.
Kapitel 10 · 24 Fragen
Manöver, Ankern und Schäden am Rigg
Vierundzwanzig Fragen zur Praxis: wie man überholt, ankert, schleust — und was man tut, wenn am Rigg etwas bricht. Hier zählt nicht die Systematik, sondern die richtige erste Handlung.
Wann ein Fahrzeug in Fahrt ist
Ein Fahrzeug ist in Fahrt, wenn es weder vor Anker liegt noch an Land festgemacht ist noch auf Grund sitzt. Es muss sich dabei nicht bewegen — ein treibendes Boot ist in Fahrt.
Die Definition trägt weiter, als sie aussieht: An ihr hängt, welche Lichter und Zeichen zu führen sind.
In der Nähe großer Fahrzeuge
Drei Fragen behandeln dieselbe Gefahr aus drei Blickwinkeln — Sog, Schwell und Bugwelle.
Fährst du dicht an ein großes Fahrzeug in Fahrt heran, kannst du durch dessen Bug- oder Heckwelle kentern oder durch den Sog mit ihm kollidieren.
Wirst du von einem größeren überholt, kannst du durch Stau, Sog oder Schwell aus dem Kurs laufen, kollidieren, querschlagen oder in flachem Wasser auf Grund laufen.
Beim Begegnen in engem Fahrwasser gilt entsprechend: Geschwindigkeit herabsetzen und ausreichenden Passierabstand halten.
Überholen und Ausweichen
Ein Überholmanöver wird zügig gefahren, ohne die beteiligten Fahrzeuge zu behindern, unter Beachtung der Verkehrslage und etwaiger Schallzeichen und mit ausreichendem Abstand.
Ausweichmanöver müssen rechtzeitig, klar erkennbar und entschlossen sein. Diese drei Wörter sind die Antwort, und sie beschreiben genau das Gegenteil dessen, was Unerfahrene tun: spät, zaghaft und in kleinen Schritten. Der andere muss sehen können, dass du ausweichst.
Ein roter Wimpel bezeichnet ein Fahrzeug, dem die zuständige Behörde Vorrang zur Durchfahrt durch Stellen mit bestimmter Reihenfolge eingeräumt hat. Das ist eine behördliche Vorrangberechtigung und kein allgemeines Vorrecht an jeder Begegnungsstelle.

Ankern
Ob der Anker hält, erkennst du an zwei Zeichen: Beim Handauflegen auf Kette oder Leine ist kein Rucken zu spüren, und die Ankerpeilung ändert sich nicht. Ruckt es, schleift der Anker über den Grund.
In Kanälen ist das Ankern verboten — dort liegen Leitungen und Kabel im Grund.
Anker, die die Schifffahrt behindern können, werden am Tage mit einem gelben Döpper bezeichnet — einer Boje über dem Anker, damit niemand darüberfährt.
Anlegen und Schleusen
Der günstigste Anlaufwinkel beim Anlegen ist ein möglichst spitzer. Flach heranfahren, nicht frontal.
Beim Schleusen mehrerer Kleinfahrzeuge vom Ober- ins Unterwasser gibt es zwei Dinge zu beachten. Das letzte Kleinfahrzeug muss weit genug einfahren, damit es beim Leeren der Schleuse nicht auf den Drempel aufsetzt. Und die Festmacherleinen sind so zu bedienen, dass Stöße gegen Schleusenwände, Tore und andere Fahrzeuge vermieden werden und ein sicheres Fieren möglich bleibt.
Autoreifen als Fender sind in Schleusen verboten: Sie sind nicht schwimmfähig und können, wenn sie abgehen, in der Schleuse erhebliche Störungen verursachen.
Tauwerk und Segel in Ordnung halten
Tauwerk wird ordentlich aufgeschossen, damit es im Gebrauchsfall klar liegt. Bei Fallen kommt ein zweiter Grund dazu: damit sie sich schnell und sicher fieren lassen — ein verhedderter Fall bei Sturm ist ein Notfall.
Auch kleine Schäden an den Segeln werden sofort repariert, weil unter Winddruck schnell große daraus werden. Ein Riss von zwei Zentimetern ist nach einer Bö ein halbes Segel.
Wenn etwas bricht
Drei Fragen behandeln Riggschäden, und die Antworten folgen einem gemeinsamen Gedanken: den Druck von der beschädigten Stelle nehmen.
- Luvwant bricht am Wind — Wende. Danach steht der Mast auf der intakten Seite unter Zug.
- Vorstag bricht unter Großsegel am Wind — abfallen auf Vorwindkurs. Der Winddruck drückt den Mast dann nach achtern statt nach vorn.
- Ersetzen lässt sich das gebrochene Vorstag provisorisch durch die Fock oder ein Fall.
Eine Patenthalse — die unfreiwillige Halse — ist gefährlich, weil sie zu Verletzungen der Crew, Riggschäden und Kenterung führen kann.
Kentert eine Jolle und lässt sich nicht wieder aufrichten: zuerst die Vollständigkeit der Crew prüfen und gegebenenfalls Hilfe leisten, dann am Boot festhalten oder sich darauflegen und Hilfe abwarten. Das Boot schwimmt; wer wegschwimmt, verliert es.
Sturmwarnung und Abfall
Bei Sturmwarnung auf einem größeren Gewässer: Rettungsweste anlegen, Segel bergen, und versuchen, einen Hafen oder eine geschützte Bucht anzulaufen. Die Reihenfolge ist die Antwort — erst sichern, dann handeln.
Abfälle jeder Art werden an Bord gesammelt und an Land in den entsprechenden Sammelbehältern umweltgerecht entsorgt. Nichts geht über Bord.

Kapitel 11 · 5 Fragen
Sicherheit an Bord
Fünf Fragen, und in vieren davon geht es um Zahlen und Reihenfolgen, die im Ernstfall zählen.
Zwei Jahre, zweimal
Zwei Wartungsintervalle werden abgefragt, und sie sind zum Glück gleich:
- Aufblasbare Rettungsmittel — nach Herstellerangabe, mindestens alle 2 Jahre.
- Feuerlöscher — mindestens alle 2 Jahre überprüfen lassen.
Für Sportboote zweckmäßig sind ABC-Pulver- und Schaumlöscher.
Einen Brand richtig bekämpfen
Drei Maßnahmen, und die Reihenfolge ist die Antwort:
- Luftzufuhr verhindern — Luken und Klappen zu, dem Feuer den Sauerstoff nehmen.
- Den Löscher erst am Brandherd einsetzen, nicht schon auf dem Weg dorthin. Ein Löscher ist nach Sekunden leer.
- Das Feuer möglichst von unten bekämpfen — dort, wo es brennt, nicht dort, wo die Flammen sind.
Wann Notsignale erlaubt sind
Notsignale dürfen gegeben werden, wenn Gefahr für Leib oder Leben von Personen besteht und daher Hilfe benötigt wird. Dieselbe Definition wie beim Fachkundenachweis Seenotsignalmittel — es geht um Menschen, nicht um das Boot.
Wo das alles nachzulesen ist
Regeln und Tipps für Wassersportler, Empfehlungen zur Ausrüstung und Hinweise zu umweltgerechtem Verhalten stehen in den nautischen Veröffentlichungen „Sicherheit auf dem Wasser“ und „Sicher auf See“.
Kapitel 12 · 5 Fragen
Umwelt
Rücksicht auf Natur und Umwelt gehört zu jeder Fahrt. Entscheidend sind vermeidbare Belastungen, geschützte Bereiche und der richtige Umgang mit Abfällen.
Die zehn goldenen Regeln
Das Merkblatt mit Hinweisen zum Schutz seltener Tiere und Pflanzen und zur Reinhaltung der Gewässer heißt „Die 10 goldenen Regeln für Wassersportler“.
Und die Frage, wie man die Lebensmöglichkeiten von Pflanzen- und Tierwelt bewahren kann, hat dieselbe Antwort: durch umweltbewusstes Verhalten und Beachtung eben dieser zehn goldenen Regeln. Zwei Fragen, ein Dokument.
Farben und Antifouling
Informationen über umweltfreundliche Farben, Lacke und Antifouling-Beschichtungen gibt es beim Umweltbundesamt.
Das passt zu dem, was im Kapitel Segeln steht: Beim Entfernen des alten Unterwasseranstrichs ist der Abfall Sondermüll. Antifouling wirkt, indem es giftig ist — deshalb gehört es weder ins Wasser noch in den Hausmüll.
Abstand halten, nichts zurücklassen
Von Schilf- und Röhrichtzonen sowie dicht bewachsenen Uferzonen hält man sich möglichst weit fern, weil sie vielfach Rast- und Brutplätze besonders schutzwürdiger Vögel oder Fischlaichplätze sind. Das Boot stört dort nicht durch Lärm, sondern durch bloße Anwesenheit.
Bei der Entsorgung gilt eine Regel ohne Ausnahme: Es dürfen keinerlei Abfälle ins Wasser gelangen. Fäkalien und Öle sind an Land zu entsorgen.