Lexikon
Hochsee (SSS/SHS)
7 Begriffe, verständlich erklärt.
Sportseeschifferschein (SSS): Zugang & Prüfung
Der Schein für küstennahe Seegewässer bis 30 sm — mit hohen Meilen-Hürden vor der Theorie.
Voraussetzung ist der SBF-See plus 1.000 Seemeilen auf Yachten in Seegewässern, davon mindestens 500 sm als Wachführer oder gleichwertig. Wer bereits den SKS (oder das DSV-BR-Zeugnis vor Oktober 1999) besitzt, kommt mit 700 sm im entsprechenden Antriebstyp aus. Mindestalter 16 Jahre.
Theorie
Vier schriftliche Fächer: Seerecht inkl. Radarplotting (60 Min), Seemannschaft (60 Min), Navigation ohne Astronavigation inkl. Gezeitenrechnung und elektronischer Navigation (120 Min), Wetterkunde (45 Min).
Praxis
Die praktische Prüfung findet auf einer seegehenden Yacht statt und ist deutlich umfangreicher als beim SKS — Schiffsführung, Radar, Seemannschaft, Crewführung und Yachttechnik.
Siehe auchRadar-Plotting (Grundprinzip) · Gezeitenrechnung mit den Admiralty Tide Tables · Sporthochseeschifferschein (SHS): Zugang & Prüfung
Sporthochseeschifferschein (SHS): Zugang & Prüfung
Die Königsklasse — weltweite Fahrt, Kernthema Astronavigation.
Der SHS baut auf dem SSS auf und ist für die Fahrt in beliebigen Seegebieten weltweit ausgelegt. Die Theorie besteht aus vier Einzelprüfungen — drei schriftlich, eine mündlich —, die innerhalb von 24 Monaten in beliebiger Reihenfolge abgelegt werden.
Fächer
Navigation (Schwerpunkt Astronavigation inkl. Sextant), Schifffahrtsrecht (inkl. internationalem Seerecht und Zollfragen) und Wetterkunde (erweitert um globales Windsystem und tropische Wirbelstürme).
Siehe auchAstronavigation: Das Prinzip der Standortlinie · Verhalten in wirbelsturmgefährdeten Gebieten · Sportseeschifferschein (SSS): Zugang & Prüfung
Radar-Plotting (Grundprinzip)
Aus der relativen Bewegung eines Radarziels den wahren Kurs und die nächste Annäherung bestimmen.
Das Radar zeigt zunächst nur die relative Bewegung eines Ziels zum eigenen Schiff. Durch Auftragen mehrerer Peilungen und Distanzen über die Zeit (Plot) lässt sich die relative Bewegungslinie bestimmen — und daraus, unter Einbeziehung des eigenen Kurses und der eigenen Fahrt, der wahre Kurs und die wahre Geschwindigkeit des anderen Schiffs.
CPA & TCPA
Aus dem Plot ergeben sich der Closest Point of Approach (CPA, kürzester Passierabstand) und die Time to CPA (TCPA, Zeit bis dahin) — die Kernzahlen, um eine Kollisionsgefahr und die richtige Ausweichmaßnahme zu beurteilen.
Siehe auchSportseeschifferschein (SSS): Zugang & Prüfung · Ausweich-Rangordnung (Regel 18)
Gezeitenrechnung mit den Admiralty Tide Tables
Die englischen Gezeitentafeln (ATT) — Standardhäfen direkt ablesen, Nebenhäfen per Zeit- und Höhendifferenz.
Die Admiralty Tide Tables (ATT) sind das internationale Standardwerk zur Gezeitenberechnung. Für Standardhäfen (Standard Ports) stehen Hoch- und Niedrigwasserzeiten sowie -höhen direkt in der Tafel. Für die zahlreichen Nebenhäfen (Secondary Ports) werden Zeit- und Höhendifferenzen zum jeweiligen Bezugs-Standardhafen angegeben und daraus interpoliert.
Warum das zählt
Wassertiefe unter dem Kiel und Durchfahrtshöhen unter Brücken hängen unmittelbar vom aktuellen Gezeitenstand ab — auf Tidenrevieren eine sicherheitsrelevante Rechnung, nicht nur Prüfungsstoff.
Verhalten in wirbelsturmgefährdeten Gebieten
Halbkreisregeln: dem gefährlichen Halbkreis eines tropischen Wirbelsturms ausweichen.
Tropische Wirbelstürme (Hurrikan, Taifun, Zyklon je nach Seegebiet) rotieren auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn, und bewegen sich meist mit dem großräumigen Windsystem der Zone (z. B. den Passatwinden) fort.
Gefährliche Halbkreisregel
Steht man auf der Seite, auf der die Sturm-Zuggeschwindigkeit die Windgeschwindigkeit verstärkt (auf der Nordhalbkugel meist rechts der Zugbahn), befindet man sich im gefährlichen Halbkreis. Das richtige Ausweichmanöver richtet sich nach der eigenen Position relativ zur Zugbahn — Kernaufgabe der erweiterten Wetterkunde im SHS.
Siehe auchSporthochseeschifferschein (SHS): Zugang & Prüfung
Internationales Seerecht & Einklarieren
Auf großer Fahrt gilt mehr als die KVR — Flaggenrecht, Hoheitsgewässer, Zoll.
Jenseits der Kollisionsverhütungsregeln (COLREG) wird auf großer Fahrt das Recht der besuchten Länder relevant: Hoheitsgewässer und Anschlusszone (12 bzw. 24 sm), das Recht der friedlichen Durchfahrt sowie die Pflicht zum Einklarieren (Zoll, Grenzpolizei, Hafenbehörde) bei der Ankunft in einem neuen Land.
Das Schiff führt die Flagge seines Registrierungsstaates (Flaggenrecht) — sie bestimmt, welches Recht an Bord grundsätzlich gilt. Für die Prüfung zählt vor allem das Grundverständnis dieser Zusammenhänge, nicht Detailwissen einzelner Länder.
Siehe auchSporthochseeschifferschein (SHS): Zugang & Prüfung · Sportseeschifferschein (SSS): Zugang & Prüfung
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