Lexikon
Funk & Technik
14 Begriffe, verständlich erklärt.
UKW-Seefunk & SRC
Sprechfunk auf festen Kanälen — und warum Kanal 16 frei bleibt.
Der UKW-Seefunk (VHF) arbeitet auf festen Kanälen mit einer Reichweite knapp über die Sichtweite hinaus — sie hängt vor allem von der Antennenhöhe ab. Für den Betrieb braucht es ein Funkzeugnis: das SRC (Short Range Certificate) für küstennahe Fahrt mit DSC, das LRC für weltweite Fahrt. Gesendet wird mit maximal 25 W, im Nahbereich umschaltbar auf 1 W.
Wichtige Kanäle
- Kanal 16 — Anruf-, Not- und Sicherheitskanal; bleibt frei und wird mitgehört.
- Kanal 70 — ausschließlich DSC (digitale Anrufe), kein Sprechfunk.
- Arbeitskanäle — nach dem Anruf auf 16 wechselt man auf einen freien Arbeitskanal.
Siehe auchDSC — Digitaler Selektivruf · MMSI · Seenotsignale & Mayday
DSC — Digitaler Selektivruf
Der Notruf auf Knopfdruck über Kanal 70.
DSC (Digital Selective Calling) sendet einen kurzen digitalen Datensatz auf Kanal 70 — etwa einen Seenotalarm mit der eigenen Kennung (MMSI) und, bei angeschlossenem GPS, der Position. Der rote, gesicherte Notknopf löst den Alarm aus; danach folgt der gesprochene Mayday auf Kanal 16.
Voraussetzung ist eine ins Gerät programmierte MMSI. DSC dient auch normalen Anrufen (Routine), bei denen ein bestimmtes Gerät gezielt angewählt wird.
Siehe auchMMSI · UKW-Seefunk & SRC · Seenotsignale & Mayday
MMSI
Die neunstellige Kennung deines Funkgeräts.
Die MMSI (Maritime Mobile Service Identity) ist eine neunstellige Nummer, die ein Funkgerät bzw. Schiff eindeutig identifiziert. Sie wird einmalig vergeben (in Deutschland über die Bundesnetzagentur) und in DSC-Funkgerät und ggf. AIS einprogrammiert. Die ersten drei Ziffern (MID) stehen für die Nation.
Siehe auchDSC — Digitaler Selektivruf · AIS
AIS
Schiffe sehen und gesehen werden.
AIS (Automatic Identification System) sendet und empfängt automatisch Schiffsdaten — Name/MMSI, Position, Kurs über Grund (COG) und Fahrt über Grund (SOG). Auf Plotter oder App erscheinen andere Fahrzeuge als Symbole; viele Geräte berechnen CPA und TCPA (dichteste Annäherung und Zeit dahin) als Kollisionswarnung.
Class A führen Berufsschiffe, Class B nutzen viele Sportboote. AIS ersetzt weder den Ausguck noch das Radar — nicht jedes Fahrzeug sendet.
Siehe auchRadar & Radarreflektor · Ausguck (Regel 5) · Kreuzende Kurse (Regel 15)
GPS & Kartenplotter
Satellitenposition — und ihre Grenzen.
GNSS/GPS liefert laufend Position, Kurs über Grund und Fahrt über Grund. Am Kartenplotter wird die Position auf der elektronischen Seekarte dargestellt; Routen und Wegepunkte lassen sich planen und abfahren.
Grenzen
Verlass dich nie allein auf den Plotter: Kartendaten können veraltet oder ungenau sein, Geräte fallen aus, die angezeigte Genauigkeit täuscht Sicherheit vor. Position gegenkontrollieren (Peilungen, Lot, Landmarken) und eine Papierkarte als Rückfallebene führen.
Siehe auchWegepunkt & Route · Seekarte & Kartennull · Peilung & Standortbestimmung
Radar & Radarreflektor
Auf fremdem Radar überhaupt erst auftauchen.
Kleine GFK-Boote werfen ein schwaches Radarecho. Ein passiver Radarreflektor — oder ein aktiver Radar-Transponder — vergrößert das Echo deutlich, sodass andere, besonders die Berufsschifffahrt, das Boot eher erkennen. Möglichst hoch und in günstiger Lage anbringen.
Eigenes Radar hilft bei verminderter Sicht zur Abstands- und Kursmessung und damit zur Kollisionsverhütung, ersetzt aber nicht den Ausguck.
Siehe auchAIS · Verminderte Sicht (Regel 19) · Ausguck (Regel 5)
Logge & Echolot
Fahrt durchs Wasser und Wassertiefe messen.
Die Logge misst die Fahrt durchs Wasser und summiert die zurückgelegte Distanz — die Grundlage der Koppelnavigation. Das Echolot misst die Wassertiefe per Schalllaufzeit. Wichtig ist zu wissen, worauf das Lot bezogen anzeigt: ab Wasseroberfläche, ab Kiel oder ab Geber (Offset).
Siehe auchKoppelnavigation & Besteck · Gezeiten & Tidenstrom · Seekarte & Kartennull
Kompass-Arten
Steuern, peilen, elektronisch messen.
An Bord gibt es mehrere Kompasse:
- Steuerkompass (Magnetkompass) — fest eingebaut, zum Steuern; unterliegt der Ablenkung durch das Boot.
- Handpeilkompass — zum Peilen von Landmarken und Feuern.
- elektronischer/Fluxgate-Kompass — liefert Kursdaten für Autopilot und Plotter.
Der Magnetkompass braucht keinen Strom und ist die unabhängige Rückfallebene.
Siehe auchAblenkung (Deviation) · Peilung & Standortbestimmung · Kurse: rwK, mwK, KdK
MAYDAY, PAN PAN, SÉCURITÉ
Die drei Dringlichkeitsstufen des Sprechfunks — und wie ein Notruf aufgebaut ist.
- MAYDAY (Notverkehr) — unmittelbare Gefahr für Schiff oder Menschenleben, sofortige Hilfe erforderlich.
- PAN PAN (Dringlichkeit) — ernste Lage ohne unmittelbare Lebensgefahr, etwa Maschinenausfall vor Legerwall.
- SÉCURITÉ (Sicherheit) — wichtige nautische oder meteorologische Warnnachricht.
Aufbau des Notrufs
Nach dem DSC-Notalarm (Kanal 70) folgt der Sprechfunk-Notruf auf Kanal 16:
MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY — hier ist (Schiffsname, dreimal), Rufzeichen und MMSI.
Dann die Notmeldung: MAYDAY, Schiffsname — Position — Art der Notlage — erbetene Hilfe — Anzahl der Personen an Bord — weitere Angaben.
Merkhilfe für die Position: zuerst Breite, dann Länge — oder Peilung und Abstand von einem bekannten Punkt. Langsam und deutlich sprechen; der Notverkehr hat Vorrang vor allem anderen, für alle übrigen gilt Funkstille.
Siehe auchDSC — Digitaler Selektivruf · Wichtige UKW-Kanäle · Internationales Buchstabieralphabet · Seenotsignale & Mayday
Internationales Buchstabieralphabet
Alfa bis Zulu — im Funk wird jeder Name buchstabiert.
- A Alfa · B Bravo · C Charlie · D Delta · E Echo · F Foxtrot
- G Golf · H Hotel · I India · J Juliett · K Kilo · L Lima
- M Mike · N November · O Oscar · P Papa · Q Quebec · R Romeo
- S Sierra · T Tango · U Uniform · V Victor · W Whiskey · X X-Ray
- Y Yankee · Z Zulu
Schiffsnamen, Rufzeichen und alles Missverständliche werden buchstabiert: 'Ich buchstabiere: Kilo, Echo, Echo, Lima …'. Zahlen werden einzeln gesprochen, die Neun als 'niner'.
Siehe auchMAYDAY, PAN PAN, SÉCURITÉ · UKW-Seefunk & SRC
Wichtige UKW-Kanäle
Kanal 16 und 70 auf See, Kanal 10 auf dem Fluss — wer wo hört.
Seefunk
- Kanal 16 — Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr sowie Anruf. Hörbereitschaft, wann immer die Anlage läuft.
- Kanal 70 — ausschließlich DSC (digitale Alarmierung), niemals Sprechfunk.
- Kanäle 06, 08, 72, 77 — Verkehr von Schiff zu Schiff, etwa für Absprachen zwischen Yachten.
Binnenschifffahrtsfunk
- Kanal 10 — nautischer Verkehr Schiff–Schiff; während der Fahrt ständig empfangsbereit bleiben.
- Kanäle 72 und 77 — Nachrichten sozialer Art.
- Revierzentralen und Schleusen haben eigene, ausgeschilderte Kanäle.
Siehe auchMAYDAY, PAN PAN, SÉCURITÉ · DSC — Digitaler Selektivruf · ATIS (Binnenfunk)
ATIS (Binnenfunk)
Die automatische Kennung des Binnenschifffahrtsfunks.
Im Binnenschifffahrtsfunk sendet die Anlage nach jedem Loslassen der Sprechtaste automatisch ihre ATIS-Kennung (Automatic Transmitter Identification System). Sie wird aus dem Rufzeichen des Schiffes abgeleitet und identifiziert jede Aussendung eindeutig — deshalb brauchen Binnenfunkstellen eine eigene Zuteilung und die Anlage einen Binnenfunk-Modus.
Praktisch heißt das: Auf Binnenrevieren muss das Funkgerät auf Binnenbetrieb (ATIS aktiv, reduzierte Sendeleistung von in der Regel 1 Watt beim Schiff-Schiff-Verkehr) geschaltet sein.
Siehe auchWichtige UKW-Kanäle · MMSI · UKW-Seefunk & SRC
Rangfolge im Funkverkehr
Not schlägt alles: die Reihenfolge, in der Meldungen Vorrang haben.
Meldungen im Seefunk haben eine feste Rangfolge:
- 1. Notverkehr (MAYDAY)
- 2. Dringlichkeitsverkehr (PAN PAN)
- 3. Sicherheitsverkehr (SÉCURITÉ)
- 4. Routineverkehr
Höherrangiger Verkehr unterbricht niederrangigen. Während Notverkehr läuft, halten alle anderen Funkstille, bis die leitende Funkstelle sie aufhebt.
Siehe auchMAYDAY, PAN PAN, SÉCURITÉ · Wichtige UKW-Kanäle
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